Jordanien

Das Jordantal und Betanien, die Taufstätte Jesu

Das Jordantal
Das Jordantal liegt am nördlichen Ende des Ostafrikanischen Grabens. Bei seiner Mündung im Toten Meer ist der Jordan auf mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel gesunken – dem tiefsten Punkt der Erdoberfläche. Das Tal ist typisch mediterran, mit milden Wintern und heißen Sommern. Aufgrund der geringen Höhe ist es ein natürliches Treibhaus, reich an Mineralien und Wasser aus den steil abfallenden Seitentälern.
Im Altertum war das Jordantal einer der fruchtbarsten Landstriche im Nahen Osten, und einige der ältesten Zivilisationen der Welt entstanden auf seinem Boden. Heute bewässert ein ausgedehntes Netzwerk von Dämmen und Kanälen die Region. Überall finden sich Anzeichen von Leben. Insbesondere, wenn Sie es im Frühling durchfahren, werden Sie es von Weizen- und Blumenfeldern sowie Gemüsebeeten bedeckt sehen.

Betanien „jenseits Des Jordan“

Das Jordantal hat zudem für Pilgerreisende eine tiefe Bedeutung. Die Gegend gegenüber Jericho wurde seit fast zweitausend Jahren als der Ort anerkannt, an dem Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde. Die 1996 angefangenen Ausgrabungen brachten erstaunliche Ergebnisse hervor und bestätigten das Areal zwischen dem Jordanfluss und Tell al-Kharrar als das biblische „Betanien jenseits des Jordans”, den Ort an dem Johannes sich aufhielt als er Jesus taufte. Tell al-Kharrar verdankt
seinen zweiten Namen, Tell Mar Elias (Sankt-Elias-Hügel), dem Propheten Elija (Elias), der von hier in den Himmel emporstieg. Der kleine Hügel bildet jetzt den Mittelpunkt des Baptism Site genannten Archäologieparks und weist Baureste eines byzantinischen Klosters auf, komplett mit Kirchen, großflächigen Taufbecken und einem Wasserversorgungssystem. Funde, die aus dem frühen 1. Jahrhundert n. Chr. stammen, bestätigen, dass der Ort zu Lebzeiten Jesu und Johannes des Täufers bewohnt war.
Ein Gebäude mit weißem Mosaikboden aus dem 3. Jahrhundert wurde als frühchristliches „Gebetshaus” bezeichnet. Falls der Zweck dieses Gebäudes vom richtig bestimmt wurde, handelt es sich um einen der ältesten christlichen Sakralbauten der Welt. Ebenfalls am Elias-Hügel wurde auch die Höhle entdeckt in der Johannes der Täufer gelebt und getauft hat, entsprechend den Aufzeichnungen zahlreicher byzantinischer Pilgerreisender. Die um die Höhle herum gebaute byzantinische Kirche sowie die Wasserrinne, die aus der Höhle hinausführte, wurden in den letzten Jahren ausgegraben und können jetzt besichtigt werden.
Näher am Jordan befinden sich vier weitere byzantinische Kirchen mit Wasserbecken und einem ausgedehnten Wasserversorgungssystem. Diese Anlagen wurden von zeitgenössischen byzantinischen Quellen erwähnt und mit der Taufe Jesu in Verbindung gebracht.